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Schlafstörungen
Ursache und Wirkung

Schlafstörungen sind ungeliebte Begleiter des Lebens in modernen Industriegesellschaften. Schätzungsweise jeder dritte Erwachsene leidet gelegentlich unter Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, bei jedem zehnten liegt bereits eine chronische Schlafstörung vor.

In zunehmendem Maße werden auch bereits bei Schulkindern Schlafstörungen beobachtet. Ältere Menschen sind am stärksten von Schlafstörungen betroffen. Schätzungsweise 40 Prozent der über 65jährigen klagen über Einschlaf- und Durchschlafstörungen, begleitet meist von Zuständen ausgeprägter Tagesschläfrigkeit.

Frauen sind mit zunehmendem Alter meist stärker von Schlafstörungen betroffen als Männer. Es wird vermutet, dass dies mit den hormonellen Umstellungsprozessen während der Wechseljahre zusammenhängt. Frauen haben angeblich auch ein höheres Schlafbedürfnis als Männer.

Bezieht man dagegen alle Altersgruppen im Hinblick auf Schlafstörungen ein, so schlafen Männer im Durchschnitt schlechter als Frauen.

Akute Schlafstörungen werden häufig durch psychosozialen Stress oder Krankheiten ausgelöst. Es besteht in dem Zusammenhang aber stets die Gefahr der „Verselbständigung" von Schlafproblemen. Die ursprünglich auslösenden Faktoren verlieren dann ihre Bedeutung und die Schlafstörung wird chronisch.

Chronische Schlafstörungen sind hartnäckig, nur selten kommt es zu spontaner Besserung. Etwa zwei Drittel der Patienten mit schweren Schlafstörungen berichten bei ihrem Hausarzt, dass sie bereits jahrelang unter Schlafstörungen leiden.

Bei 40 Prozent der Betroffenen treten chronische Schlafstörungen seit mehr als fünf Jahren auf. Bei Patienten, die mit schwersten Störungen ein schlafmedizinisches Zentrum aufsuchen, erstreckt sich der Zeitraum von Schlafstörungen sogar über einen Zeitraum von zwölf bis 14 Jahren.

Ursachen von Schlafproblemen

Von einer Schlafstörung spricht man dann, wenn jemand mindestens dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von einem Monat Probleme mit dem Einschlafen oder Durchschlafen hat. Als Ursachen kommen äußere, organische und psychische Faktoren in Frage. Die körperliche und geistige Gesundheit leidet erheblich unter Schlafstörungen, weil diese den natürlichen Regenerationszyklus während des Nachtschlafs unterbrechen.

Äußere Ursachen: Lichteinwirkung (z. B. Lichtreklame), Lärm, Wetterfühligkeit, körperliche Überanstrengung, Nebenwirkungen von Arzneimitteln (Appetitzügler, Antidepressiva), Entzugsbeschwerden (Alkohol, Nikotin, Drogen), schlechte Schlafbedingungen, Schichtarbeit, Zeitverschiebungen („Jetlag"), Ortsveränderungen.

Organische Ursachen: Schmerzen aller Art, allgemeine Erkrankungen, Infektionen, Tumorkrankheiten, Fieber, Husten und Schnupfen, Asthmaanfälle, nächtliche Atemstillstände (Schlafapnoe), Durchblutungsstörungen, Lungen- und Lebererkrankungen, Schilddrüsenfehlfunktionen, Blasen- und Verdauungsstörungen, Schwangerschaft, Stillzeit.

Psychisch bedingte Ursachen: Andauernd hohe Stressbelastung durch Ärger, Aufregung oder Sorgen als Alarmzeichen für Depressionen; Süchte (Alkohol, Drogen, Missbrauch von Medikamenten), Neurosen und Psychosen, mangelnde Konfliktbewältigung im privaten bzw. beruflichen Umfeld.

Schlafmangel wirkt sich in hohem Maße negativ auf den ganzen Körper aus. Die gesamte Leistungsfähigkeit ist deutlich niedriger als bei Menschen mit gesundem Schlafrhythmus.

Es kommt zur Beeinträchtigung der visuellen und körperlichen Wahrnehmung, zur Schwächung ganzer Organsysteme (z. B. Nervensystem, Herz-Kreislauf-System). Das Krankheitsrisiko ist generell erhöht. Dauerhafter Schlafentzug verstärkt die Anfälligkeit für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Immunschwäche.

Angesichts der vielen negativen Auswirkungen von Schlafstörungen sollten alle vorhandenen Möglichkeiten genutzt werden, mit Schlafproblemen fertig zu werden.

Eigenhilfe durch individuelle Schlafrituale

Die Schlafforschung hat eine Reihe von Regeln für eine vernünftige „Schlafhygiene" formuliert, die mit Verhaltensänderung und Entspannung verbunden sind:

  • Regelmäßige Bewegung tagsüber („müde machen") ist hilfreich.
  • Den Tagesablauf (Einnahme von Mahlzeiten, tägliche Aktivitäten) möglichst regelmäßig gestalten.
  • Regelmäßige Schlafzeiten einhalten (möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und morgens zur gleichen Zeit aufstehen).
  • Vernünftige Essgewohnheiten (schwere Mahlzeiten am Abend vermeiden, nur leichte Abendmahlzeiten, aber nicht hungrig ins Bett gehen) verbessern den Schlaf.
  • Tagesaktivitäten nicht zu spät beenden.
  • Alkohol und Nikotin, Kaffee, Tee oder Cola am Abend möglichst meiden.
  • Das Bett möglichst immer zum gleichen Zeitpunkt aufsuchen.
  • Körperliche Nähe zum Partner fördert den Schlaf, Fernsehen und Streiten verschlechtern den Schlaf.
  • Kälte wirkt sich als „Einschlafkiller" aus, daher im Zweifelsfall zweite Bettdecke nutzen.
  • Schlafzimmer lüften vor dem Einschlafen.
  • Licht ausschalten unmittelbar nach dem Zubettgehen oder nur wenige Minuten ein eher anstrengendes Buch lesen.
  • Medikamente nur in Absprache mit dem Arzt nehmen, zunächst haben nicht-medikamentöse Verfahren Vorrang.
  • Positives Denken ist hilfreich für einen gesunden Schlaf.

Verschiedene Entspannungsverfahren haben sich bei Schlafstörungen bewährt. Dazu gehört die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, bei der bestimmte Muskelgruppen für kurze Zeit angespannt und dann wieder locker gelassen werden. Über die daraus resultierende körperliche Entspannung ergeben sich auch Vorteile für eine geistige Entspannung.

Als weiteres Entspannungsverfahren hat sich das sogenannte Ruhebild bewährt. Es wird empfohlen, sich eine besonders angenehme Situation vorzustellen, z. B.: Sie liegen an einem schönen Sommertag am Strand und lassen vor ihren Augen Bilder von Sonne, Wärme, Möwen usw. entstehen. Überlegen Sie dabei, was Sie mit Ihren Sinnen wahrnehmen: Hören, Sehen, Spüren, Riechen, Schmecken. Sie tauchen auf diese Weise in ein beruhigendes Bild ein und schalten dabei negative Gedanken ab.

Wichtig ist für die Nutzung aller Entspannungstechniken: Sie müssen systematisch und regelmäßig betrieben werden, ein ein- oder zweimaliges Ausprobieren genügt nicht.

Professionelle Hilfen bei Schlafstörungen

Schlafexperten diagnostizieren Schlafstörungen auf der Basis von Diagnoseschlüsseln nach ICD-10 (International Classification of Diseases) bzw. ICSD (International Classification of Sleep Disorders).

Als umfassendstes Verzeichnis von Schlafstörungen enthält das ICSD mehr als 80 verschiedene Krankheitsbilder, die in vier Gruppen zusammengefasst sind:

  • Dyssomnien (Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten oder übermäßige Schläfrigkeit)
  • Parasomnien (Störungen, die im Schlaf oder beim Aufwachen auftreten wie z. B. Schlafwandeln)
  • Schlafstörungen bei körperlichen und/oder psychiatrischen Erkrankungen
  • Vorgeschlagene Schlafstörungen (Störungen, über die es bisher zu wenige Informationen gibt, um sie sicher als eigenständige Krankheiten zu bezeichnen)

Um die genauen ursächlichen Zusammenhänge bei einer Schlafstörung zu erkennen, kann die Führung eines sogenannten Schlaftagebuches erforderlich werden. Der behandelnde Arzt kann aus den Angaben eines solchen Tagebuches wertvolle Schlüsse auf den Charakter der vorliegenden Schlafstörung ziehen.

Ein Schlaftagebuch hat die Form eines Protokolls, in dem jeden Abend vor dem Schlafen und jeden Morgen nach dem Aufstehen Fragen zum Schlaf und zu den Begleitumständen beantwortet werden müssen. Es sollte mindestens über einen Zeitraum von 14 Tage geführt werden.

Vor dem Einsatz eines Schlaftagebuches wird häufig zunächst der Schweregrad der vorliegenden Störung ermittelt. Wenn es sich offensichtlich um Einschlaf- bzw. Durchschlafstörungen handelt, erfolgt eine Befragung mit dem sogenannten Pittsburgher Schlafqualitätsindex (PSQI). Handelt es sich bei der Störung um eine Einschlafneigung während des Tages, gelangt die sogenannte Epworth-Schläfrigkeits-Skala (ESS) zum Einsatz.

Hilfestellungen zu besserem Schlaf werden in zahlreichen Schlafschulen vermittelt, die auch im Internet angeboten werden. In schweren Fällen helfen in Deutschland derzeit etwa 300 speziell eingerichtete Schlaflabore oder Schlafkliniken weiter.

Die Überwachung eines schlafgestörten Patienten in einem Schlaflabor kann sich über mehrere Tage erstrecken. Voraus geht immer ein intensives Beratungsgespräch mit einem Schlafexperten.

Während der Nacht werden im Schlaflabor oder in der Schlafklinik eine Reihe von Vitalfunktionen wie Herzschlag, Hirnströme oder Sauerstoffsättigung des Blutes gemessen. Zur Beurteilung der einzelnen Schlafphasen und der Schlaftiefe werden außerdem die nächtlichen Augenbewegungen (REM-Schlaf) registriert.

Aus dem so erstellten Schlafprofil können die Ursachen einer vorliegenden Schlafstörung abgeleitet werden, die Voraussetzung sind für eine einzuschlagende Behandlung.

Literatur:

Jürgen Zulley: Mein Buch vom guten Schlaf. Zabert Sandmann, München 2005
Ingrid Füller: Wenn der Schlaf gestört ist. Stiftung Warentest, Berlin 2002.  ISBN 3-931908-71-2
Gerhard Leibold: Schlafstörungen. Oesch-Verlag 2001
Dieter Riemann: Ratgeber Schlafstörungen. Hogrefe Verlag, Göttingen 2004. ISBN 978-3-8017-1763-6

Internet:

www.netzwerk-gesundes-schlafen.de



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